Geschichte des Varieté

Geschichte des Varieté

Zum Begriff Varieté existieren im Sprachgebrauch diverse Bedeutungen. Abgeleitet wurde der Begriff vom französischen Wort „théâtre des variétés“ (übersetzt: Theater der Abwechslungen oder bunte Vielfalt); gemeint ist eine buntes, unterhaltsames und ständig wechselndes Programm mit artistischen, musikalischen, tänzerischen und akrobatischen Vorstellungen.

„Wir werten heutzutage den Begriff Varieté für gesellschaftliche Vorstellungen, häufig in Verbindung mit einem Dîner. So kann ein Varietéprogramm aus einer kleineren oder größeren Anzahl verschiedener Darbietungen bestehen. Verwenden wir also einfach den Begriff „Unterhaltungskunst“ mit tänzerischen oder kabarettistischen Darbietungen, von Romantik bis Slapstick, eigenständiger Theaterform, angelehnt an Zirkus und Theater, mit charaktervollen Einzeldarbietungen, man denke an die vielen Tanzkabaretts. Varietéprogramme können mosaikmäßig zusammengesetzt sein, um schließlich eine künstlerische Einheit zu bilden.

Lassen Sie uns ein wenig die Geschichte des Varietés verfolgen: Nach Forschermeinung begann das Varieté in England etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zusammen mit dem Zirkus. Industrielle Revolution und zahlreiche technische Veränderungen sorgen nicht nur für eine selbstständigere Wirtschaft, sondern veränderten ebenfalls Kunst und Kultur sowie die Interessen der Bürger. Während der Adel gesellige Formen wie Tanz und Theater pflegte, vergnügten sich Klein- und Mittelbürger bei bunt zusammengewürfeltem, kostenlosem, komischem Programm in Taverns, Kneipen, Pubs und kleinen Theaterräumen; hier begann das sogenannte Kneipen-Varieté u.a. in Tavern-Konzerträumen, Teegärten und Sommerbühnen, später in Musikhallen.

Varieté in Frankreich scheint auf den ersten Blick amüsanter, frivoler, fast schon vulgär. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dominierten singende Cafés (Cafés chantants) in Hafenstädten wie Marseille und Lyon; erotisch, zweideutig, erfolgreich und umsatzsteigernd. Diese Treffpunkte entwickelten sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu großen Spektakeln, avancierten zu enormen, erfolgreichen Revues in berühmten Theatern, zu denen sogar die Prostituierten Zugang hatten. Cancan, Folies und Moulin Rouge waren geboren und bestimmten die Branche der glanzvollen Pariser Varietészene mit leicht bekleideten, hübschen, jungen Damen, langen Beinen und Nackttänzerinnen.

In Amerika hielt das Varieté erst durch Auswanderer Einzug. Das unkritische Publikum nahm die fantasiereichen Abwechslungen wie Zauberkünstler, Akrobaten, Artisten und Tänzer begeistert auf. Zu den dortigen Meilensteinen des Showbiz und Varietés zählt u.a. der prunkvolle Unterhaltspalast Broadway sowie Las Vegas. Hierzu wurden teilweise namhafte Stars aus Europa gekauft.

Etwa um 1880 begann auch in Deutschland die Ära des Varietés. GOP (Grote im hannoverschen Georgspalast) gehörte zu den ersten deutschen Varietébühnen. Zu den „ganz Großen“ zählen u.a. das berühmte Leipziger Varietétheater Krystallpalast mit mehr als 15.000 Plätzen, das et cetera in Bochum, das Steintor Varieté in Halle und der Tigerpalast in Frankfurt, sämtliche Varietés von großer Bedeutung. Viele Gebäude werden während des Krieges zerstört, ein Teil davon später wieder aufgebaut. Hier konnten die Menschen berühmte Künstler wie Johann Strauß, André Heller und Zirkus Roncalli bewundern. Teils wurden auch Zeltvarietés geboten, künstlerische Spektakel ganz besonderer Art, mit Moderatoren, Jonglage, Gesang, Tanz, Zauberei, Comedy, Moderatoren, Comedy und Artisten. Bei der spürbar positiven Zuschauerresonanz und exzellenten Verkaufszahlen kann die zauberhafte Welt des Varietés zuversichtlich in die Zukunft blicken.