Schattentheater

Schattentheater

Schattentheater gilt als eine der ältesten Theaterformen und stammt sehr wahrscheinlich aus Indien bzw. Indonesien. Es diente zur Unterhaltung des Publikums und geht bis in die chinesische Han Dynastie, wurde auch in Taiwan während der Qing Dynastie gepflegt sowie in kambodschanischen Tempeln. In Indonesien und Malaysia bezeichnet man Schattenspiele als Wayang Kulit, denn die Schattenfiguren auf Führungsstäben waren aus Büffelleder gearbeitet, während die Chinesen bei ihrer Schattenspielerei Pergamentfiguren hinter einem stoffbespannten Rahmen tanzen ließen, welcher von der Hinterseite beleuchtet wurde. Schattenspieler zogen von Dorf zu Dorf, bis hin zum Kaiserpalast. Auf Bali und Java präsentieren sie ihre Künste bei Hochzeiten und Tempelfesten, natürlich mit Musik und Sprechern. Aufführungen dauerten bis zu 6 Stunden.Über die Seidenstraße gelangte Schattenspielereien im 17. Jahrhundert von Indien über Persien, Ägypten, über den Balkan bis in das Ottomane Reich. Weiter zieht sich die Spur des Schattentheaters durch die Türkei nach Griechenland und Italien, wobei die ältesten Aufzeichnungen aus dem Jahre 1674 datieren.

Frankreich stellte im 18. Jahrhundert einige hochkünstlerische Stücke her (ombres chinoises) und zählt bis heute zu den bedeutendsten europäischen Schattenspielländern. Im 19. Jahrhundert folgte die Pariser Unterhaltung im Nachtklubbezirk Montmartre. Eines der bekanntesten Stücke ist “Chat noir”mit 20 Helfern.Höhepunkte des deutschen Schattenspiels lagen in der Zeit von Goethe, Brentano und Mörike, welche Schattenspielstücke schreiben und teils auch aufführten. In England bezeichnete man Schattenaufführungen als Gallenta Shows.

Als größte Schattenspieler gelten der Marokkaner Albert Almonznino, der Franzose Félicien Trewey, der Engländer Max Holden, der Inder Prahlad Acharyat und der Australier Raymond Crowe. Zur Thematik des Schattentheaters zählt ebenfalls der anspruchsvolle Showdance, Tanz mit Schatten und das Silhouettenkino, welches Kinotechnik beinhaltet.

Zeitgenössisches Schattentheater benutzt nun allerdings keine Glühbirnen mehr, sondern punktförmiges Licht, mit dem sich klare Schattenbilder erzeugen lassen inklusive mehr Dynamik und 3D-Schatten. Schatten müssen nicht immer nur Schwarz sein, sondern können auch bunt dargestellt werden. Faszinierend ist die Schlichtheit des Schattentheaters, welche dem Künstler ausreichend Raum für fantasiereiche Kreationen und eigenwillige Interpretationen lässt, wenn die Schatten lebendig werden.